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Donnerstag, 23. Januar 2014

Die Korrekturen

"Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll."

Manchmal frage ich mich wirklich, was in den Köpfen der Schüler vorgeht. Heute habe ich einen Abschluss-Vortrag für meine Nachhilfeschülerin versucht zu korrigieren. Nachdem ich nach zweieinhalb(!) Stunden immer noch nicht fertig war, gab ich entnervt auf.

Mir ist durchaus bewusst, dass Schüler nur begrenzte Kenntnisse haben. Trotzdem ist diese Leistung einfach nur zum Haare raufen: Teilweise werden nicht mal Lektionen aus dem ersten Lehrjahr beherrscht. Die zwei Seiten sind Computer geschrieben, da kann man doch die Word-Autokorrektur einstellen. 



So etwas kann nur das Ergebnis sein, wenn man einen fatalen Fehler begeht: Einen deutschen Text zu schreiben und dann eine Übersetzung in die Fremdsprache (egal welche) machen.

Das wird niemals funktionieren. Ich meine, dass ich annähernd muttersprachliche Kenntnisse habe, aber man hat in der Fremdsprache nie die Möglichkeit, sich wie ein Muttersprachler auszudrücken. Deswegen sollte man einen Text immer gleich in der entsprechenden Sprache schreiben, das sorgt einerseits für Authentizität, andererseits kann man dann auch mit grammatikalischen oder verbalen Schwierigkeiten viel flexibler umgehen.

Außerdem habe ich während des Studiums, drei zweistündige und zwei vierstündige Übersetzungskurse gemacht, damit ich eben lerne mich korrekt auszudrücken. Warum sollte das also einem Schüler gelingen, wenn ich es nicht mal danach perfekt beherrsche?


Der Text sieht jedenfalls so aus, dass überall Häkchen sind, weil Wörter fehlen, falsche Wörter sind durchgestrichen, Rechtschreibfehler angestrichen, falsche Wortstellungen sind mit Pfeilen an die richtige Stelle platziert.

Lektionen aus dem ersten beiden Lehrjahren, die nicht beherrscht werden: Konjugation der regelmäßigen Verben, Groß- und Kleinschreibung, Partizipien, Personalpronomen. Nomen werden einfach mal als Verben konjugiert. In den Sätzen fehlen teilweise die Subjekte oder Verben. Manche Sätze sind total sinnfrei, selbst wenn ich die mir nicht bekannten Vokabeln nachschlage, erschließt sich mir der Sinn des Satzes nicht. Vor allem, weil die herausgesuchten Vokabeln auch nicht stimmen. Und es stehen Wörter im Text, die definitiv nicht in der Sprache existieren.

Angefangene Korrektur
Und irgendwann konnte ich meine Zunge nicht mehr halten und begann Kommentare zu den Fehlern zu machen.


Am Anfang waren diese noch sachlich: Kein Verb im Plural zu einem Singular Nomen! Und warum Conditionnel? Muss da nicht Vergangenheit hin?


Du brauchst ein konjugiertes Verb im Nebensatz (Zeit: Imparfait)!

Im Satz fehlt ein Verb

Warum votre? Gesamtkollektiv?

Je weiter die Zeit fortschritt, desto kreativer wurden die Kommentare; Tina würde sagen speziell ehrlich. Naja, bei sinnfreien Sätzen tuen sich doch einem so manche philosophischen Fragen auf. So stand da zum Beispiel bei einem falschen Personalpronomen: Hatte Coco Chanel eine gespaltene Persönlichkeit? Oder lebte sie in einer Beziehung mit einer zweiten Frau? (Also eine Ehe zu dritt?)

Wie die nächste Liebe war eine britische Kultur? Eine britische Bakterienkultur?

Warum venir? Hast du mal im Wörterbuch nachgeschlagen? Wohl eher nicht! Wer im Wörterbuch nachschlagen kann ist klar im Vorteil!

Wer soll vous sein? Ist das Gesamtkollektiv gerade in?


Nein, ich werde natürlich nicht diese Notizen an den Schüler/ die Schülerin weitergeben. Ich werde die Arbeit nicht weiter korrigieren, sondern zur Überarbeitung mit Wörterbuch und Grammatik "zurückweisen". Ich weiß, dass Syntax etwas Schwieriges ist und dass man als Schüler nicht immer abschätzen kann, ob die Vokabel in diesem Kontext richtig ist oder nicht. Ich habe wirklich großzügig korrigiert und auch Ausdrücke stehen lassen, die man zwar nie auf Französisch so sagen würde, aber die man als Schüler einfach nicht entsprechend formulieren kann.

Ich habe die Arbeit Kommilitonen gezeigt, teilweise ist die Absicht der Sätze erkennbar, teilweise auch nicht. 

Jedenfalls saß ich in der UB mit einem Wörterbuch und ärgerte mich um die vergeudete Zeit, die ich lieber in die Prüfungsvorbereitung gesteckt hätte. Ich saß dort also vor dem Wörterbuch und schlug unklare Wörter und Kombinationen nach und irgendwann fragte ich mich, ob ich denn als Lehrer später frustriert vor mich hinvegetieren werden würde. Ich meine, wenn man solches Zeug auch noch als Klassensatz korrigieren soll… Jedenfalls sollte ich mich nach einer guten Frustrationsbewältigung umsehen.


Jedenfalls musste ich dann an das Känguru und „Die Korrekturen“ denken, was mich jedes Mal beim Anhören aufheitert. Mein Lieblingssatz ist jedenfalls: „Auf diesem Kindergartenniveau bewegt sich leider deine Argumentation.“ Und ich dachte: Vielleicht werde ich einfach auch Känguru!

PS: Der Freund meinte gerade an Telefon, dass er nicht genau wüsste, ob ich mich aufregen oder amüsieren würde.
PPS: Beides!

Sonntag, 25. März 2012

Vous avez une solution?


In der 10. Klasse lernt man in Französisch das Gérondif kennen. Dazu ist in dem Buch für die dritte Fremdsprache eine Übung, die „Vous avez une solution?“ heißt. Man soll dort auf die Fragen antworten, indem man den Gérondif benutzt.

Zu meiner Freude fanden sich dort so tolle Fragen wie: „Comment est-ce qu’on peut trouver un copain/ une copine?“ „Wie findet man einen festen Freund/ eine feste Freundin?“
Und: „Comment se débarrasser de son copain/ sa copine?“ „Wie wird man seinen festen Freund/ seine feste Freundin wieder los?“

Zur ersten Frage gab es die Antworten:
On peut trouver un copain
  • En nageant (indem man schwimmt, äääh ja sehr interessant und vermutlich sehr effektiv)
  • En ayant un rendez-vous (indem man ein Date hat)
  • En dansant à la boîte (indem man in die Disco tanzen geht)
  • En lui donnant un coup avec le parapluie (indem man ihn/sie mit dem Regenschirm schlägt)

Die Regenschirmmethode erklärte uns die Lehrerin. Sie hat eine Schulfreundin, die im Bus einen Jungen traf, der ihr gefiel. Da es an dem Tag regnete, hatte sie einen Regenschirm dabei. Also nahm sie den Schirm und haute ihm rein zufällig gegen das Schienbein. Sie drehte sich um und entschuldigte sich. Die beiden kamen ins Gespräch und wurden ein Paar.

On peut se débarrasser de son copain/ sa copine :
  • En embrassant un autre mec (indem man einen Anderen/ eine Andere küsst)
  • En allant au cinéma avec un autre garçon (indem man mit einem Jungen ins Kino geht)
  • En n’étant pas sympa (indem man nicht nett ist)
  • En disant « Tu es stupide ! » (wenn man sagt : « Du bist doof »)
 ________________________________________________

Il y a quelques jours que j’ai assisté à un cour à l’école. En 10ème classe, on apprend le gérondif en français. Dans le livre pour la troisième langue étrangère se trouve un exercice qui s’appelle « Vous avez une solution ? » Il faut répondre aux questions en utilisant ( !) le gérondif.
Ce qui m’a fait vraiment plaisir, c’est de trouver de merveilleuses questions comme par exemple : « Comment est-ce qu’on peut trouver un copain/ une copine ? »  Et: « Comment se débarrasser de son copain/ sa copine? »
J’étais très intéressée d’entendre les « solutions » des élèves.

A la première question, ils ont répondu :
On peut trouver un copain
  • En nageant
  • En ayant un rendez-vous
  • En dansant à la boîte
  • En lui donnant un coup avec le parapluie

La prof a une copine qui a vu un garçon dans le bus qui lui plaisait. Ce jour-là, il pleuvait et comme ça elle avait un parapluie avec soi. Alors, elle a pris son parapluie et elle a donné un coup au garçon qui était derrière lui. Elle s’est tournée et lui demandé pardon. Ils ont commencé à parler et sont restés ensemble.

On peut se débarrasser de son copain/ sa copine :
  • En embrassant un autre mec
  • En allant au cinéma avec un autre garçon
  • En n’étant pas sympa
  • En disant « Tu es stupide ! »

Une fille a demandé à la prof : « Madame, comment dit-on « küssen » en français ? »
La prof a répondu : « Vous voulez dire « baiser » ? Moi, j’étais un peu choqué, parce qu’il y a une grande différence entre baiser et embrasser. Puis, la prof a rajouté : « Non, dites « faire la bise » ». Mais, en faisant la bise à un autre garçon, on ne peut pas se débarrasser de son copain/ sa copine. Quand la prof a vu que la fille n’était pas contente avec sa réponse. Elle lui a proposé le mot « embrasser » ce qui est mieux.

Das falsche Alter

So schnell kann es gehen… Man hat das falsche Alter. Neulich war ich in der 10. Klasse. Sie lernen Französisch als dritte Fremdsprache. Da man dort nicht so viel Zeit hat und viel Stoff behandeln muss, lernen sie rudimentäre Dinge nicht. Zum Bespiel Buchstabieren.

Die 5. Klasse lernt erst ein halbes Jahr mündlich französisch. Nach Weihnachten fangen sie dann an zu schreiben. Deshalb kann man dort schöne Sachen machen: Singen, Buchstabieren, Spielen…
Besonderer Beliebtheit erfreut sich das ABC-Lied.

In der 10. Klasse sollten Telefongespräche erfunden werden. Die Schüler sollten sich bei einer französischen Firma um einen Ferienjob bewerben. Da die Franzosen manchmal Probleme haben unsere Namen richtig zu schreiben, sollten sie ihre Namen buchstabieren.

Da wir sowieso aus der 5. Klasse kamen, hatten wir zufällig die CD mit dem ABC-Lied und die Noten dabei. Und so kam es, dass alle die Katzen auf den Notenblätter mit bunten Stiften anmalten und dem ABC-Lied lauschten, welches nur kichern hervorrief.

So schnell kann es gehen. Das was die „Kleinen“ noch toll finden, finden die „Großen“ nur noch albern.

Montag, 19. März 2012

Muss nur noch kurz die Welt retten…

Wer glaubt, dass wir als Lehrer nur unterrichten, täuscht sich schrecklich. Das Unterrichten ist eigentlich nur ein geringer Teil während des Unterrichts. Zusätzlich kämpfen wir an diversen Nebenkriegsschauplätzen Fronten anderen Ecken und Enden. 

So brauchte ich am Samstag allein 10 Minuten bis ich bei der 7. Klasse anfangen konnte. Erst musste ich mir die Geschichte anhören wie die Beiden mit den Köpfen zusammen gestoßen sind, dann funktionierte das eine Coolpack nicht. 

Nachdem ich nach dem zweiten Mal, es nicht mehr duldete, dass es auf den Boden geworfen wird. Schickte ich eine Verletzte mit einer anderen Schülerin in die Mensa um ein neues Coolpack zu holen. 

Dies wollte eine andere Schülerin noch nutzen, um sich auch eins zu holen, weil ihr Arm angeblich wehtat. Bis jetzt hatte ich diese „Verletzung“ noch nicht wahrgenommen. Ich nehme stark an, dass es eher ein hypochondrischer „Anfall“ war. 

Jedenfalls erhielt sie das etwas verbeulte Coolpack und schaffte es innerhalb der nächsten fünf(!) Minuten, das Coolpack kaputt zu machen und den Inhalt (irgendwelche Chemikalien) ins Auge zu bekommen. Es gibt wohl Schüler, denen die Arme direkt neben den Augen wachsen…Jedenfalls ließ ich das Auge ausspülen und versuchte zur Normalität und der eigentlichen Sache zurück zu kommen: Unterricht.

Wie sagte schon meine Kollegin: "Der ganz normale tägliche Wahnsinn!"

Freitag, 16. März 2012

Aceton oder Selektive Aufmerksamkeit

Vor einiger Zeit besuchte ich eine Fortbildung zum Thema: "Sportpsychologie". Das war seit langem die beste Fortbildung. Wir hatten ein amüsantes und lehrreiches Wochenende. Über meinem Kopf blinkten etwa hundert Lämpchen auf.

Unter anderem ging es um selektive Aufmerksamkeit. Wenn wir uns auf einen Aspekt oder eine Aufgabe fokussieren, schirmt unser Gehirn die Störfaktoren von unserer Aufmerksamkeit ab. Wir werden nicht abgelenkt. Dazu machte man einen Versuch. Man ließ Sportler ein Basketballspiel anschauen. Sie sollten zählen, wie oft der Ball auf dem Boden aufprellt. Nachdem das Video von ein paar Minuten Dauer zu Ende war, fragte man sie wie oft der Ball den Boden berührt hatte. Sie konnten eine ungefähre Antwort geben. Wenn man sie jedoch fragte, wie oft der Affe mit der Banane über das Spielfeld gerannt sei, wussten sie keine Antwort. Das Gehirn war so auf die Aufgabe fixiert, dass es den Affen nicht bemerkte.

Bei der 10. Klasse habe ich neulich mit einer Hälfte der Klasse Übungsaufgaben für die Klassenarbeit gemacht, während die anderen ein Schülerpraktikum machten. Die Aufgabe war herauszufinden, was passiert, wenn bestimmte Stoffe mit Wasser reagieren. In der einen Aufgabe sollte man Essigsäure mit Wasser reagieren lassen. Ich erklärte, dass man das das dazugehörige Anion "Acetat" nennt. Daraufhin entwickelte sich folgender Dialog:

Lolita: "Acetat ist das nicht in Nagellackentferner drin?"
Tante Phie: "Nein, du meinst Aceton. Das war früher in Nagellackentferner drin, heute sind die meisten Nagellackentferner acetonfrei."

Etwa zwei Minuten später. Jetzt ist die Aufgabe die zu dem Anion dazugehörige Säure zu finden. Auf dem Blatt steht unter anderem Acetat.

Lolita sagt mit einem begeisterten Lächeln: "Aceton."
Ich möchte meinen Kopf gegen die Tafel hauen und die anderen Schüler lachen und sagen vorwurfsvoll "Lolita!" Sie bekommt dann zum Glück mit Hilfe ihrer Nachbarin die Kurve.

Da war ich wohl der Affe mit der Banane, der durchs Spielfeld rannte.

Sonntag, 19. Februar 2012

Zuckersüß

Seit Montag war ich wieder in der Schule. Als ich gehetzt ins Lehrerzimmer stürme, stehen 3 Schülerinnen aus der 7. Klasse an der Tür und rufen: "Frau Tante Phie, sind Sie jetzt fertig mit studieren? Bleiben Sie jetzt für immer hier?"

So putzig. Herzallerliebst.

Montag, 10. Oktober 2011

Fragen

"Herr ..., warum gibt es eigentlich Isotope?"

Äääääääääh gute Frage, was antwortet man auf diese Frage? Das fragt man sich nicht, es gibt sie einfach, aber aus keinem bestimmten Grund.
Die Antwort war: " Also, der liebe Gott hat sich gedacht: Ich will etwas mehr Vielfalt auf der Welt""

Dear Sheldon, I need your help!
Er wüsste bestimmt eine Antwort...
Also, liebe Physiker, was antwortet man da?

Fragen

Schülerin im Unterricht: "Was heißt auf Französisch: "Kann ich bitte auf Toilette gehen?"?"
Lehrerin: "Pourrai-je aller aux toilettes, s'il vous plaît?
Schülerin: "Oh je, das dauert noch lange"

Dienstag, 27. September 2011

Der Universaldiktator

Neulich, in der 2. Chemie Stunde ihres Lebens, durfte ich bei den 8ten Unterricht machen. Sie waren vielmehr meine Versuchskaninchen. Das Thema lautete „Kennzeichen chemischer Reaktionen“. Nachdem sie in der 1. Stunde der großen Überzeugung waren, dass man als Chemiker nur bunte Flüssigkeiten zusammen mischt, wollten wir diese Motivation für ein Schülerpraktikum nutzen.
Wenn ich gerade sowieso schon den Unterricht vorbereite, darf ich ihn in allen drei achten Klassen machen.

Highlight der 8x:

Tante Phie sagt:
„Räumt die Bücher und Ordner vom Tisch.“ Wird nur partiell verstanden.
„Dreht die Wasserhahnen vorsichtig auf.“

Der erste dreht auf, lautes Gekreische folgt, denn das Wasser überschwemmt den Tisch, die Tinte verschwimmt.
Gestaunt wird über die Farben (pink, lila, türkis) und den Schaum (Backpulver und Zitronensäure), dass sich Feststoffe auflösen und dabei Gase bilden (Natriumcarbonat und Salzsäure).
Plötzlich tauchen braune Flecken auf der Hand auf. Ich schicke die Kinder zum Hände waschen. „Geht das wieder weg?“ „Wasch dir die nächsten Tage regelmäßig mit Seife die Hände, dann ist es bis spätestens in drei Tagen wieder weg.“

Ich nutze, nachdem das erste Chaos überwunden ist, die „Pause“ und stelle mich an den Materialwagen mit den Chemikalien.
Schülerin zeigt auf eine Flasche und fragt: „Ist das der Universaldiktator?“
Ich muss mich kurzzeitig zusammenreißen und sage: „Ja, das ist der In-di-ka-tor.“
Ich laufe die Treppe hoch. Eine Schülerin schüttelt das Reagenzglas, ich sage noch: „Nicht den Daumen drauf machen.“ Und schon ist der Daumen schwarz.

Highlights der 8y:

Neuerungen: sie müssen jetzt Unterlagen benutzen, sind aber aufmerksamer und räumen daher gleich alle ihre Ordner und Bücher weg. Dann gibt es eine kurze Demonstration wie man chemisch korrekt schüttelt. Gleich der Hinweis, wer sich etwas über die Hände tropft, soll es gründlich mit Wasser abspülen.
Alle fangen mit den Versuchen an und dann stehen die Schüler am Waschbecken.
Die eine zur anderen: „Schau mal, voll weggeäzt.“ Ich schnappe nur das Wort weggeäzt auf und frage: „Wo?“ Ist nur ein brauner Fleck.
Nächster: „Ich hab mir Salzsäure auf die Finger getropft, das hat voll gebrannt.“  Zum Glück wurde mein Ratschlag mit dem Wasser berücksichtigt.

In dieser Klasse fällt zum ersten Mal der Unterschied zwischen NWT und 3. Fremdsprache auf. Während den NWTlern die Arbeit flüssig von den Händen geht, brauchen die Sprachler deutlich länger. Der Rest darf dann eben Pause machen und wird von mir bespaßt. Mit einem Reagenzglas in dem erst eine durchsichtige Flüssigkeit rot ist, die nach Zugabe einer anderen Flüssigkeit blau wird. Oooooooooohhhhhhhhhhh!

Hier fällt die Frage: „Heißt das Indikat-or oder Indikat-ooooooooooooor?“ Mit diesen tiefgründigen Unterschieden der Betonung des Wortes Indikator habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Was soll ich da sagen? Also sage ich: „Ich sage Indikat-or.“ Der Schüler ist zufrieden, ich auch.

Highlights der 8z:

Nachdem ich die letzten beiden Male schon mit den möglichen Szenarien der Stunde beschäftigt habe, läuft hier alles glatt. Die Klasse arbeitet super mit. Ich kann sie an Hand der Namensschilder (aus Malerkrepp) mit Namen ansprechen, sie mich auch. Sie kommen mit ihrem Fragen ausschließlich zu mir, arbeiten gründlich, sauber, ohne Katastrophen und sind vor allem mit Begeisterung dabei, selbstbewusster als die anderen Klassen (scheint wohl am hohem NWT-Anteil zu liegen).
Am Ende sortieren sie mir noch den Wagen, da stehen dann die Flaschen bündig in Reih und Glied, die anderen Gefäße auch. Die Indikatorrollen sind exakt übereinander gestapelt. Was will man mehr?

„Schau mal, es ist lila und es glitzert!“ (Das ist exakt die Beschreibung des Verhältnisses, das Frauen zu Farben haben, das mir mein ehemaliger Laborassistent erzählt hat)
Aus dieser Klasse gibt es ein anderes Mal noch eine kurze Geschichte zu einem der Versuche, die wir gemacht haben. Die ist einfach nett und zeigt der Arbeitseifer und die Begeisterung, mit der sie dabei waren und auch den Ehrgeiz, den sie haben.

Nach der Besprechung der Versuche sitzt eine strahlende Klasse vor mir und zwei Mädchen fragen:
„Tante Phie, wann machen wir mal was mit Schutzbrille, Handschuhe und mit Brenner, wo es spritzt und blubbert und hinter explodiert?“
Ich grinse und sage „Bald.“
Die Armen, wenn sie wüssten wie viel Theorie man auch in Chemie machen muss. Leider kann man nicht jede Stunde Schülerversuche machen. Das Leben ist kein Ponyhof. Aber die Illusion möchte ich ihnen nicht gleich am Anfang nehmen.

Der ganz normale Wahnsinn


Kommt mir irgendwie bekannt vor... "Tante Phie, haben Sie ein Haustier?" (neulich in der 6. Klasse) =)

Mittwoch, 14. September 2011

Zweiter Schultag – Damals, Heute und Morgen

Als ich noch Schüler war, war es besonders in die Sammlungen der Naturwissenschaften zu sein. Heute durfte ich dort sogar mit meinen Kollegen Kaffe trinken =)
Eigentlich fand ich die meisten Naturwissenschaftler bis jetzt oft seltsam (zumindest diejenigen, die in der Uni rumlaufen). Meine Kollegen sind nett und herzlich, integrieren mich gut, machen mich zu ihrem persönlichen Assistenten. Selbst die Mathematiker/ Physiker - also die Fächer mit denen ich in der Schule am meisten Probleme hatte – sind mir sympathisch und sie sind mir gegenüber und meiner Fachkombination sehr aufgeschlossen.

Die ersten beiden Stunden habe ich in der 8ten bei NWT (Naturwissenschaft und Technik) zugebracht. Dort wird die nächsten Wochen alles zum Thema „Schwimmen“ behandelt. Morgen werden wir gleich praktisch arbeiten und Experimente machen. Das wird bestimmt viel Spaß machen. Damals war mein Fach „Naturphänomene“ (heute = NWT). Dort hatte ich gute Noten und Spaß hatte ich auch immer sehr, wissbegierig war ich, glaube ich, in diesen Fragestellungen sowieso immer.

Danach war ich noch zwei Stunden in Mathe, auch mit der 8. Klasse. Damals hatte ich in Mathe teilweise auch noch Spaß, zumindest in Geometrie, bei den Funktionen hörte es dann auch auf. Heute saß ich neben Schülern, stand vor oder hinter ihnen und habe erklärt und beim Aufgaben lösen geholfen. Thema war „Kongruenz“ und dank Mathe für Chemiker und meinem damaligen Verständnisschwierigkeiten  kann ich heute diese Probleme nachvollziehen und trotzdem die fachliche Seite verstehen.

Die letzten beiden Stunden habe ich in Sport verbracht, zum Glück protokollierend, Stationstraining stand auf dem Plan.
Meistgestellte Frage vor Unterrichtsbeginn: „Sollen wir Schläppchen oder Turnschuhe anziehen?“

Dienstag, 13. September 2011

Erster Schultag

Morning has broken like the first morning
blackbird has spoken like the first bird
praise for the singing praise for the morning
praise for them springing fresh from the world

Sweet the rain's new fall sunlit from heaven
like the first dewfall on the first grass
praise for the sweetness of the wet garden
sprung in completeness where his feet pass

Mine is the sunlight mine is the morning
born of the one light eden saw play
praise with elation praise every morning
god's recreation of the new day
Eleanor Farjeon (1881–1965)


Heute Morgen um 7 habe ich mich noch bei Vollmond auf den Weg gemacht. Ich gehe wieder in die Schule. Mein erster Tag in der Schule war irgendwie etwas wie früher.
Ich besitze jetzt aber auch einen Platz im Lehrerzimmer und muss sagen, dass was wir damals so geheimnisvoll und sagenreich gefunden haben, ist ein ganz normales Zimmer mit ganz normalen Menschen.
Im Kollegium wurde ich sehr herzlich empfangen. Besonders die einen Fachkollegen sind sehr offen und nett.

Als erstes habe ich mit zwei(!) Stunden Latein in der 12 losgelegt.
Schülerin kommt vom WC wieder und sieht, dass meine Kollegin und ich, nicht in das Übersetzungs-/Grammatikblatt schauen.
N* fragt: „Darfst du das?“
Wir schauen sie beide etwas überrascht an.
N* „Uuuups, Entschuldigung!“
Die ganze Reihe vor uns kichert.
H* „Was gibt’s?“
Langsam wieder etwas Ruhe. Aber immer noch Getuschel und Gekicher.
N* kam dann noch mal nach der Stunde und hat sich entschuldigt. Immerhin gut erzogen!

Danach war der Schulgottesdienst, wo wir „Neuen“ vorgestellt und begrüßt wurden (mit Applaus!).

Danach kurze Pause und noch mal zwei(!) Stunden Latein bei der 7. Klasse. Jetzt kam mein Gedächtnis auch besser mit dem Inhalt klar. Aber das meiste habe ich doch seit der prüfung sehr schnell vergessen.

Morgen geht’s in NWT, Sport und Mathe mit der 8ten. Mal schauen, welche Überraschungen es da gibt.