Sonntag, 25. März 2012

Das falsche Alter

So schnell kann es gehen… Man hat das falsche Alter. Neulich war ich in der 10. Klasse. Sie lernen Französisch als dritte Fremdsprache. Da man dort nicht so viel Zeit hat und viel Stoff behandeln muss, lernen sie rudimentäre Dinge nicht. Zum Bespiel Buchstabieren.

Die 5. Klasse lernt erst ein halbes Jahr mündlich französisch. Nach Weihnachten fangen sie dann an zu schreiben. Deshalb kann man dort schöne Sachen machen: Singen, Buchstabieren, Spielen…
Besonderer Beliebtheit erfreut sich das ABC-Lied.

In der 10. Klasse sollten Telefongespräche erfunden werden. Die Schüler sollten sich bei einer französischen Firma um einen Ferienjob bewerben. Da die Franzosen manchmal Probleme haben unsere Namen richtig zu schreiben, sollten sie ihre Namen buchstabieren.

Da wir sowieso aus der 5. Klasse kamen, hatten wir zufällig die CD mit dem ABC-Lied und die Noten dabei. Und so kam es, dass alle die Katzen auf den Notenblätter mit bunten Stiften anmalten und dem ABC-Lied lauschten, welches nur kichern hervorrief.

So schnell kann es gehen. Das was die „Kleinen“ noch toll finden, finden die „Großen“ nur noch albern.

Montag, 19. März 2012

Muss nur noch kurz die Welt retten…

Wer glaubt, dass wir als Lehrer nur unterrichten, täuscht sich schrecklich. Das Unterrichten ist eigentlich nur ein geringer Teil während des Unterrichts. Zusätzlich kämpfen wir an diversen Nebenkriegsschauplätzen Fronten anderen Ecken und Enden. 

So brauchte ich am Samstag allein 10 Minuten bis ich bei der 7. Klasse anfangen konnte. Erst musste ich mir die Geschichte anhören wie die Beiden mit den Köpfen zusammen gestoßen sind, dann funktionierte das eine Coolpack nicht. 

Nachdem ich nach dem zweiten Mal, es nicht mehr duldete, dass es auf den Boden geworfen wird. Schickte ich eine Verletzte mit einer anderen Schülerin in die Mensa um ein neues Coolpack zu holen. 

Dies wollte eine andere Schülerin noch nutzen, um sich auch eins zu holen, weil ihr Arm angeblich wehtat. Bis jetzt hatte ich diese „Verletzung“ noch nicht wahrgenommen. Ich nehme stark an, dass es eher ein hypochondrischer „Anfall“ war. 

Jedenfalls erhielt sie das etwas verbeulte Coolpack und schaffte es innerhalb der nächsten fünf(!) Minuten, das Coolpack kaputt zu machen und den Inhalt (irgendwelche Chemikalien) ins Auge zu bekommen. Es gibt wohl Schüler, denen die Arme direkt neben den Augen wachsen…Jedenfalls ließ ich das Auge ausspülen und versuchte zur Normalität und der eigentlichen Sache zurück zu kommen: Unterricht.

Wie sagte schon meine Kollegin: "Der ganz normale tägliche Wahnsinn!"

Freitag, 16. März 2012

Aceton oder Selektive Aufmerksamkeit

Vor einiger Zeit besuchte ich eine Fortbildung zum Thema: "Sportpsychologie". Das war seit langem die beste Fortbildung. Wir hatten ein amüsantes und lehrreiches Wochenende. Über meinem Kopf blinkten etwa hundert Lämpchen auf.

Unter anderem ging es um selektive Aufmerksamkeit. Wenn wir uns auf einen Aspekt oder eine Aufgabe fokussieren, schirmt unser Gehirn die Störfaktoren von unserer Aufmerksamkeit ab. Wir werden nicht abgelenkt. Dazu machte man einen Versuch. Man ließ Sportler ein Basketballspiel anschauen. Sie sollten zählen, wie oft der Ball auf dem Boden aufprellt. Nachdem das Video von ein paar Minuten Dauer zu Ende war, fragte man sie wie oft der Ball den Boden berührt hatte. Sie konnten eine ungefähre Antwort geben. Wenn man sie jedoch fragte, wie oft der Affe mit der Banane über das Spielfeld gerannt sei, wussten sie keine Antwort. Das Gehirn war so auf die Aufgabe fixiert, dass es den Affen nicht bemerkte.

Bei der 10. Klasse habe ich neulich mit einer Hälfte der Klasse Übungsaufgaben für die Klassenarbeit gemacht, während die anderen ein Schülerpraktikum machten. Die Aufgabe war herauszufinden, was passiert, wenn bestimmte Stoffe mit Wasser reagieren. In der einen Aufgabe sollte man Essigsäure mit Wasser reagieren lassen. Ich erklärte, dass man das das dazugehörige Anion "Acetat" nennt. Daraufhin entwickelte sich folgender Dialog:

Lolita: "Acetat ist das nicht in Nagellackentferner drin?"
Tante Phie: "Nein, du meinst Aceton. Das war früher in Nagellackentferner drin, heute sind die meisten Nagellackentferner acetonfrei."

Etwa zwei Minuten später. Jetzt ist die Aufgabe die zu dem Anion dazugehörige Säure zu finden. Auf dem Blatt steht unter anderem Acetat.

Lolita sagt mit einem begeisterten Lächeln: "Aceton."
Ich möchte meinen Kopf gegen die Tafel hauen und die anderen Schüler lachen und sagen vorwurfsvoll "Lolita!" Sie bekommt dann zum Glück mit Hilfe ihrer Nachbarin die Kurve.

Da war ich wohl der Affe mit der Banane, der durchs Spielfeld rannte.